Seitensprung - ein Kommentar zu einem seit langem aktuellen Thema

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published by Martin Rummel
on December 9, 2013

Die im folgenden kommentierte Frage - jene nach Gehältern von Spitzenmanagern und Politikern - ist mehr ein Ausdruck einer Kultur als so manch kulturpolitisches Thema.

 

Besonders in Zeiten wie diesen werden immer wieder Rufe laut, dass Spitzenmanager und Politiker zu viel Geld verdienen. Einerseits muss man diese beiden Berufsgruppen vollkommen voneinander trennen, und andererseits ist - besonders bei Gehältern in Millionenhöhe - das Wort "verdienen" meiner Meinung nach unangebracht: Kein Mensch "verdient" diese Summen, er erhält sie dank aus dem Ruder gelaufenen Prinzipien des Marktes und der immer weiter grassierenden (und geduldeten) Raffgier unserer Selbstbedienungsgesellschaft.

 

Man verstehe mich nicht falsch: Ich habe nichts dagegen, dass ein hart arbeitender Mensch mit fast untragbar schwerer Verantwortung für ein großes Unternehmen und viele Mitarbeiter viel Geld bekommt, wenn er diese Aufgabe mit all ihren (teilweise durchaus auch gesundheitlichen) Risiken bravourös oder auch nur anständig und zufriedenstellend meistert. Ich habe aber entschieden etwas dagegen, wenn hier alle Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt werden, die für jeden anderen freiberuflich tätigen Menschen ganz selbstverständlich gelten. Wie kann es sein, dass eine kleine Gruppe von Menschen hunderte und tausende andere, die ihnen vertrauen, an den Rande des Abgrundes führen oder ein ganzes Unternehmen vor die Wand fahren, und dann - wie seinerzeit im Falle des deutschen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Dr. Ron Sommer - eine Abfindung in Millionenhöhe (bei Dr. Sommer waren es damals 60 Mio. DM) einstecken, ein Büro samt Sekretariat und einen Dienstwagen weiterbehalten dürfen? Wenn ein Manager klar verantwortlich ist für ein solches Desaster, so müsste das passieren, was jedem Freiberufler im Konkursfall passiert: sofortiger Einkommensstop und gegebenenfalls sogar Rückzahlung eines Großteils dessen, was er in den Jahren seiner Tätigkeit von dem Unternehmen als "Gehalt" bezogen hat. So einfach ist es eigentlich. Frau Dr. Merkels Sanierungshilfe für die Banken, die einerseits eine Deckelung des Spitzengehaltes der Manager auf € 500.000.- p.a. und andererseits eine spätere Rückzahlung, wenn die Finanzlage der Bank sich gebessert hat, vorsieht, ist demzufolge erstmals eine annähernd moralisch saubere Lösung, die man - natürlich - in Österreich nicht fertiggebracht hat.

 

Politikergehälter sind eine viel heiklere Angelegenheit. Einerseits natürlich - und das ist ein Folgeproblem des oben geschilderten Problems - wäre jeder hochqualifizierte Mensch entweder ein geborener Samariter oder ein Vollidiot, wenn er die Chance auf ein gutes Gehalt nicht nützte (i.e. in der Privatwirtschaft arbeitete). Aktuell ist die Besoldung des Bundeskanzlers etwa € 20.000.- brutto monatlich - wahrlich ein Trinkgeld im Vergleich zu einem Spitzenmanager (wie ein Bundeskanzler es eigentlich sein sollte - kein Wunder, dass wir nur zweit- und drittklassiges Personal an der Politikspitze bekommen). Andererseits ist es natürlich schwer messbar, was eine Abgeordnetentätigkeit oder ein Regierungsamt wirklich im Vergleich zu Alltagsberufen "wert" ist. Auch hier aber glaube ich ein großes Missverständnis als die eigentliche Grundlage zu orten: Abgeordneten- oder Ministertätigkeit ist kein Beruf zum eigenen Erfolg. Sie ist vielmehr ein Dienst am Staat und den Landsleuten, den man - im besten Fall eine Zeitlang und hoffentlich in den beruflich, körperlich und geistig besten Lebensjahren - leistet. Natürlich ist es dank der dauerhaften Belastung vor allem durch Presse und Medien eine unsägliche und schwer zu ertragende Last, die man sich da aufhalst, aber eine bestimmte Gruppe von Menschen hat offensichtlich Spaß daran.

 

Ich schlage daher deutlich vor, einerseits die Zeit, die ein Mensch im Parlament oder auf der Regierungsbank verbringen darf, auf maximal zwei oder drei Legislaturperioden zu beschränken. Auch scheint es gar absurd, daß jemand zuerst Verkehrsminister, dann Umweltminister oder gar Finanzminister wird. Wo, bitte schön, kann man diese Fachqualifizierung eines einzelnen erwarten? Andererseits aber gäbe es auch hier ein einfaches Modell der Besoldung: Da der Staat sich somit auf Zeit die Arbeitskraft eines Menschen von seinem sonstigen Arbeitgeber "ausleiht", ist es nicht mehr als fair, dass diesem Menschen beispielsweise der Durchschnittsbezug der letzten fünf Jahre vor dem Politikamt mit einem Aufschlag von 10% (z.B. für die besondere Belastung durch Medien etc.) als sein Politikergehalt weiterbezahlt wird. Wenn also ein höchst erfolgreicher Bankmanager Finanzminister wird (wie es eigentlich sein sollte, denn dann kann man zumindest eine gewisse fachliche Kompetenz erhoffen), dann ist das eben teurer als irgendein Mittelschullehrer, der meint, sich im Parlament als Abgeordneter wichtig tun zu müssen. Warum soll dieser dann plötzlich das Dreifache seines normalen Gehalts beziehen? Ausgenommen soll von dieser Regelung meines Erachtens der Bundespräsident sein; das einzige Amt im Staat, das ohnehin meist erst im pensionsfähigen Alter spruchreif wird - die derzeitige Besoldung scheint angemessen.

 

Das Problem an dieser Idee: Sie ist im Einklang mit moralischen Grundwerten, die durch die Raffgier und Selbstbedienungsmentalität der letzten Jahre und Jahrzehnte über Bord gegangen sind. Jede Gesellschaft bekommt die Politiker, die sie verdient. Wir sind es selbst schuld - Jammern also zwecklos. Aber träumen ist erlaubt.