Gesellschaft zur Veralberung von Leistungsträgern?

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published by Martin Rummel
on March 11, 2014

Im Juli 2012 (!) bin ich der Aufforderung der GVL gefolgt, meine Tonträger zu melden, da man das Abrechnungssystem von Pauschalen auf genaue Sendeminuten umstellen werde. Datiert mit 3. März 2014 bekam ich einen Brief (auf Papier): „ [...] danken Ihnen für die Zusendung des Tonträger-Meldeformulars und Ihre Geduld. Von [...] befindet sich jedoch zurzeit kein Titel in der Datenbank, der uns von den Sendeanstalten als gesendet gemeldet wurde. Es befinden sich jedoch andere, abrechnungsrelevante Titel in der Datenbank, die von Ihnen noch gemeldet werden könnten (z.B. Violoncellokonzerte von Zani). Hierzu müssten Sie uns jedoch weitere Meldeformulare zusenden oder aber die Meldungen online vornehmen, sofern Sie über einen Internetanschluss verfügen.“ Freundlichegrüßeundsoweiter.

 

Abgesehen davon, dass es klar ist, dass von meinen 40 CDs nicht alles im deutschen Radio gelaufen ist und die Zanis erst 2013 erschienen sind (und somit 2012 von mir nicht gemeldet werden konnten), war meine Neugier geweckt. Ich habe also den freundlich grüßenden Mitarbeiter der GVL angerufen und ihm drei Fragen gestellt: „Wenn Sie ohnehin wissen, dass die Zani-Konzerte für mich abrechnungswürdig sind, warum muss ich sie auch noch melden? Wozu gibt es das Phononet?“ Und – das finde ich persönlich viel spannender: „Muss jemand wie András Schiff oder Nikolaus Harnoncourt, der 400 CDs oder mehr hat, jetzt auch alle seine Aufnahmen bei Ihnen melden, damit er Geld kriegt?“ Schließlich noch: „Wie kriege ich Geld von Aufnahmen, von denen ich vielleicht sogar nicht einmal weiß, dass es sie gibt, z.B. ein Sampler, den Naxos herausbringt mit einem oder zwei Tracks von einer meiner CDs?“

 

Die Antworten sind entweder ärgerlich oder lustig, je nachdem, wie Ihr Humor gelagert ist: „Sie kriegen nur Geld für Aufnahmen, die Sie selber melden. Es könnte ja jemand anderer gleichen Namens bezugsberechtigt sein, und die GVL hat nicht die Personalkapazitäten alle Tonträger zuzuordnen.“ Ahja. Lieber Herr Schiff, lieber Herr Harnoncourt, ich fürchte, zum Konzertieren haben Sie demnächst keine Zeit mehr, denn: „Natürlich müssen auch András Schiff oder Nikolaus Harnoncourt rückwirkend alle ihre Aufnahmen melden, damit sie Tantiemen kriegen ... aber so große Künstler haben ja dafür ihre Leute.“ Ich hoffe es für sie und die Musikwelt, denn sonst war’s das entweder mit den Tantiemen oder mit der Zeit für neue Projekte.

 

Die Antwort auf die dritte Frage kann der geneigte Leser sicher erahnen. Die Deutschen und ihre Techniksysteme: LKW-Maut, Dosenpfand und GVL-Abrechnung stehen stramm in einer Linie.